Archiv für das Tag 'Spitzbergen'

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Zw… auf Kreuzfahrt – 9

13. Juni 2008 – cruisen an der Küste Spitzbergens

Boah, kalt, ey! Die Temperaturen sind gefallen. 2° plus, allerdings pfeift der Wind am Außendeck ganz mächtig. Spitzbergen ist in Sicht und wir schauen uns die Lichtspiele auf dem Wasser an, die durch die Löcher in der Wolkendecke auf die Wasseroberfläche gezaubert werden.

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Es ist morgens gegen 9 Uhr und wir laufen auf Ny Ålesund zu. Das Wetter wechselt irrsinnig schnell. Mal sieht’s aus als würde es gleich regnen, mal kommt der blaue Himmel durch.

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Ich habe den Eindruck, ich muß fortlaufend fotografieren, weil sich die Landschaft jede Minute wieder anders zeigt.

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Kurz vor der Ankunft in Ny Ålesund haben wir dann plötzlich blauen Himmel und klare Sicht. Wir haben ein wenig Verspätung, wollten eigentlich gegen 8 Uhr da sein, ankern jetzt aber erst gegen 10. Das Örtchen hat einen ganz kleinen Hafen, wir werden also getendert. Am meisten leid tut mir der Schiffsfotograf, der sich, in einem ziemlich dünnen Eisbärenkostüm fast 4 Stunden lang in der Eiseskälte, mit den ankommenden Gästen fotografieren lassen muß.

Nun sind wir also an Land und suchen das nördlichste Postamt der Welt. Der Wind pfeift heftig und ich bin froh, daß ich Stirnband und Handschuhe am Mann habe.

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Wir sind dringend angehalten, uns nur auf den Straßen aufzuhalten und diese keinesfalls zu verlassen. Die Helfer vom Ausflugsteam stehen Schmiere und pfeifen jeden zurück, der es wagt, vom rechten Weg abzukommen. Gottseidank kennen uns inzwischen die meisten Aufpasser und Winnie drückt, wie schon öfter mal, ein Auge zu, um uns dann doch noch einige Motive zu ermöglichen, die wir von der Straße aus nicht hätten einfangen können. Ich freue mich also über die vorhandene Flora und lichte sie ab. Danke Winnie!

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Nur mit der Fauna war’s nix – auf den Eisbären, den ich gehofft hatte, zu sehen, mußte ich verzichten. Mit einem kleinen Trick habe ich dann die Daheimgebliebenen doch mit einer Postkarte verblüffen können. Man muß sich nur zu helfen wissen:

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Den Bären habe ich mittels Zeitmaschine, wir werden erst morgen da sein, aus Longyearbyen einfliegen lassen.

Ny Ålesund besteht aus einigen Häusern, die vor allem Wissenschaftler beherbergen, einem Hotel, hier ist der Name Programm: “Nordpol-Hotellet” und einem sehr geschichtsträchtigen Haus, nämlich dem des Herrn Roald Amundsen. Hinter diesem Haus steht auch noch der Zeppelin-Mast, von dem aus Umberto Nobile zu seiner Luftschiff-Expedition über den Nordpol startete und Roald Amundsen versucht hatte, den Verschollenen zu retten.

Aufgefallen sind mir auch die überraschend vielen Fahrräder, mit denen die Einwohner unterwegs sind, und ein Gewächshaus, das wohl dafür sorgt, daß auch an diesem abgeschiedenen Ort bestimmt hin und wieder selbst gezogenes, frisches Gemüse auf den Tisch kommt.

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Vielleicht hätte unser Koch mal hier nachfragen sollen, denn die abendliche Blumenkohlchremesuppe schien nicht mal “durchgeschossenen” Blumenkohl zu enthalten.

Aber der Reihe nach. Die Postkarten sind aufgegeben, wir sind zurück auf dem Schiff und machen uns in Richtung Magdalenenfjord auf, den wir mit etwas Glück heute gegen abend befahren werden. Wir dampfen also in Richtung Norden, immer an der Küste von Spitzbergen entlang.

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Als wir am Eingang des Fjords ankommen, zieht sich innerhalb weniger Minuten das Wetter zu. Was noch sehr positiv aussah, sorgte dafür, daß bei fast null Sicht, sich unser griechischer Kapitän nicht in den Fjord reingetraut hat. Zwischen dem Pano oben und dem nächsten Bild lagen wenige Minuten…

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Wahrscheinlich hätten wir im Fjord auch nicht sehr viel gesehen. Ich war ja schon mal drin und weiß, daß sich die Geschichte wirklich nur bei einigermaßen guter Sicht lohnt. Die hatten wir aber ganz schnell nicht mehr.

So hat sich der Kapitän entschlossen, mit einem Tenderboot noch Eis von einem vorbeischwimmenden Eisberg(lein) für den abendlichen Barbetrieb ran schaffen zu lassen. Als der Eisberg und das Boot wieder an Bord waren ging’s dann schnurstracks in Richtung Süden nach Longyearbyen. Mittels Lautsprecherdurchsage wurden wir informiert, daß wir in den nächsten Stunden vielleicht noch einen Gletscher sehen würden, den der Kapitän als Entschädigung für den entgangenen Magdalenenfjord anlaufen würde. “Vielleicht” haben wir gesehen, den Gletscher leider nicht. Vermutlich war einfach der Sprit für den kleinen Umweg zu teuer. Wenigstens hat sich das Wetter gnädig gezeigt und es gab noch ein wenig “spitz Bergen” mit Sonne drauf zu sehen und natürlich zu fotografieren.

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Das pampige Parmesan-Risotto, das es zur Rotbarbe gab, habe ich nach dem Abendmenü mit meinem obligatorischen Absacker-Paulaner-Dosen-Weizenbier runtergespült. Ich freue mich schon auf meine Nudeln mit Parmigiano-Reggiano, die es bestimmt gleich geben wird, wenn ich wieder zu Hause bin. Im Risotto war alles, nur kein Parmesan und auch kein bißchen Salz.

Geschrieben von kuni-r am 21. Juni 2008 | Abgelegt unter Kreuzfahrt im hohen Norden,Reiseberichte Kuni | Keine Kommentare

Zw… auf Kreuzfahrt – 10

14. Juni 2008 – 524 Seemeilen bis Honningsvåg

…aber so weit ist es noch nicht. Gegen 8 uhr kommen wir in Longyearbyen, der Hauptstadt von Spitzbergen an. Zwei Tage habe ich mir die Augen rausgeguckt, um einen Eisbären zu sehen, nix war’s! Aber heute…

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Doch erst mal der Reihe nach. Schon nach der Abfahrt in Bremerhaven wurden wir darauf hingewiesen, daß in Longyearbyen ein zusätzlicher “Ausflug” ins Programm genommen wäre, um vom weit entfernten Hafen in die Stadt zu gelangen. Es konnte also für 15 Euro eine Fahrt mit dem Bus gebucht werden. Bei vielen Gästen hat’s geklappt, bei mir und Uwe nicht, denn ich war schon mal da. Auch damals, mit einem anderen Schiff und Veranstalter, die gleiche Ankündigung der angeblich “nötigen” Busfahrt. Da ich aber wußte, daß der Weg in die Stadt vielleicht einen oder maximal zwei Kilometer beträgt, sind wir natürlich gelaufen, was uns in die Lage brachte, auch der örtlichen Kirche einen Besuch abzustatten, an der der Bus mit den abgezockten Gästen nur vorbei donnerte.

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Auf das Schuhe ausziehen, um das mittels großem Schild und zwei großen Regalen mit Haus-Schlappern gebeten wurde, haben unsere Mona Lisa-Proleten im Großen und Ganzen verzichtet und haben die Räumlichkeiten mit ihren Straßenschuhen verdreckt. Wahrscheinlich die gleichen, bei denen zu Hause man nur in Socken in die Wohnung darf. “Hauptsache mir geht’s gut, also Ellenbogen raus, Augen zu, und durch” war unser Eindruck.

Durch ein sehr schönes Gemeindezentrum, in dem Postkarten, Kalender des örtlichen Fotoclubs und Bücher verkauft wurden, gelangt man in den eigentlichen Kirchenraum mit einem schönen, modernen Altarbild. Die Cafeteria im Gemeindezentrum war leider nicht besetzt, aber wir hatten endlich unseren ersten Eisbären gesehen, der ausgestopft am Fenster stand. (Ihn habe ich dann später auf dem Schiff zur gestern gezeigten Postkarte verarbeitet, um die Daheimgebliebenen ein wenig zu verblüffen.)

Wir sind, nach einer kurzen Besinnungsphase, weiter spaziert, nicht ohne uns ein bis zwei der wunderschönen Kalender, sowie eine Postkarte gekauft zu haben. Ganz der nordischen Mentalität und dem Vertrauen entsprechend, die ich bei vielen Skandinavien-Urlauben vorher schon so oft angenehm kennen gelernt hatte, konnte man den Preis für die Mitbringsel einer Preisliste entnehmen und das Geld einfach in ein offenes Körbchen legen.

Ich hoffe nur, daß es nicht in einem Geldbeutel eines der Schiffsproleten entschwunden ist. So wie die sich aufgeführt haben, wäre das vermutlich kein Wunder.

Die Stadt wurde als Bergbaustadt von einem Amerikaner Namens John Munroe Longyear gegründet. Ihm zu Ehren heißt die Stadt nun so.

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Auch das Denkmal in der 100 Meter langen Fußgängerzone erinnert an diese Bergbauzeiten. Heute wird auf Spitzbergen hauptsächlich noch von den Russen in Barentsburg Bergbau betrieben.

t10-3aViel hat sich seit meinem letzten Besuch nicht verändert. Nur das Internet-Café gibt’s nicht mehr – das Haus wird gerade umgebaut. Der Papp-Eisbär hinter dem Fenster eines Einkaufsladens ist auch nicht mehr da.

Überall stehen die Schneescooter rum, die bis auf die wenigen Hochsommermonate das Hauptverkehrsmittel auf der Insel darstellen.

Waffen dürfen beim Briefmarken kaufen in der örtlichen Post immer noch nicht mitgenommen werden.

Nur die Häuser sind seit 2003 deutlich bunter geworden. Überhaupt wurde viel gebaut und die Einwohnerzahl hat anscheinend auch deutlich zugenommen. Heute leben fast 2000 Einwohner in der Stadt.

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Heute lebt die Stadt hauptsächlich von Forschung und vom Tourismus. Wir haben das an zwei Dingen besonders gut sehen können:

t10-4a-k1) Neben einer Galerie steht eine Halterung mit vielen Bambus-Stöcken, deren Einsatzzweck man sich auf den ersten Blick nicht erklären kann. Erst wenn der geneigte Tourist das Schild liest, klärt sich die Situation. Ein Klick auf das kleine Bildchen rechts lässt auch den Leser dieses Blogbeitrags teilhaben.

Die Art der Erklärung und ihre Bebilderung finde ich einfach nur süß.

2) fand, just als wir in der Stadt unterwegs waren, der nördlichste Marathon der Welt, der Spitzbergen-Marathon statt. Wir haben uns noch gewundert, als ein Radler mit geschulterter Flinte und hinter ihm ein Läufer in strammem Tempo an uns vorbeizogen. Das kann doch nicht sein, dachten wir uns, daß hier die Sportler mit Waffengewalt zu Höchstleistungen gezwungen werden…

Es war der Spitzenreiter des Marathons, wie wir dann von Streckenposten und Sanitätern am Straßenrand erfahren haben. Da die Strecke über freies Gelände führt, muß natürlich für den Schutz der Läufer vor den Eisbären gesorgt werden. Einen, der mich an meine eigene Heimat erinnert hat, habe ich dann noch für’s Reisetagebuch fotografiert.

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Trotz seiner Verkleidung war er relativ weit vorne mit dabei. Ich wünsche ihm, daß er’s zumindest noch auf’s Treppchen geschafft hat. (Der Maßkrug war übrigens aufblasbar und aus Plastik).

Schließlich wurde die Zeit knapp und wir sind wieder zurück zum Dampfer spaziert, der während der ca. 4 Stunden Liegezeit wenigstens äußerlich wieder “auf Hochglanz” gewienert wurde. Der Entertainer unter den Matrosen zeigt uns, wie man mit Gartenschlauch und einer geschickt gebundenen Schlaufe Fenster putzen kann.

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Als gegen 11:30 Uhr alle an Bord sind, legen wir ab und es geht los in Richtung Norwegen, nach Honningsvåg und zum Nordkap. Wir genießen an Deck die Sonne und die wunderbare Landschaft Spitzbergens, froh, daß der heutige Tag neben Freizeit an Land und Spaziergang auch ausgiebig Gelegenheit zum Fotografieren enthielt.

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Geschrieben von kuni-r am 21. Juni 2008 | Abgelegt unter Kreuzfahrt im hohen Norden,Reiseberichte Kuni | Keine Kommentare