Zw… auf Kreuzfahrt – 17

Der letzte Tag – wir erreichen wieder Bremerhaven und es geht mit dem Bus zurück nach Hause. Zeit also, für eine kleine Rückschau und eine Gesamtbewertung.

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…da fallen Späne (oder werden Sessel durchgescheuert). Ich hätte auch schreiben können “Tag 17 – warten!”.

In der Nacht von gestern auf heute mußten die großen Koffer, wie üblich, vor die Kabindentür gestellt werden. Nach dem Einpacken haben wir uns nochmal in die Freibeuterbar begeben und das letzte Alkoholfreie (für den Uwe) und das letzte Dosenweizenbier (für mich) zu genießen. Bis 24 uhr konnte auf Schiffskarte bezahlt werden.

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Gegen 23:30 Uhr wurde wieder in einer Prozession der oben abgebildete Erzengel Gabriel durch das Schiff getragen.

Für Außenstehende sah es so aus, als würde nur die Dekoration für den Aufbau der Mitternachtssnacks an ihren Platz gebracht. Wir Insider wissen aber, daß damit nur der wahre Grund kaschiert wurde. Die tägliche Erzengel-Gabriel-Prozession war nämlich dafür verantwortlich, daß wir unsere Reise letzten Endes sicher beenden konnten, daß durch den Seegang nur Gläser von der Theke, aber keine Passagiere von den Barhockern rutschten, und, das Wichtigste, daß wir keiner Sandbank zu nahe kamen.

Am Schluß der Prozession wurde dann immer der Torso des Kochs getragen.

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Böse Zungen könnten jetzt behaupten: “Kein Wunder daß das Essen so schlecht war, wenn der Koch zum einen weder Arme noch Beine hat und zum anderen jeden Tag in eben dieser kultigen Prozession durch’s Schiff getragen wird, statt in der Küche seinen Mann zu stehen”.

Aber wir sind ja keine bösen Zungen.

Das Wetter an diesem letzten Tag ist schön und ich fotografiere auf dem Dampfer ein letztes Bild von “draußen”, um die Gegebenheiten im Bild fest zu halten.

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Als wir dann am Vormittag Bremerhaven erreichen, heißt es warten, bis der Bus aufgerufen wird. Wir verziehen uns, bewaffnet mit einer Flasche Wasser, in die Bibliothek, in der die Klimaanlage auf Hochtouren werkelt. Wir haben unsere Ruhe und finden Zeit, noch einige Bilder zu machen, die ein wenig zeigen, in welch desolatem Zustand Dampfer und Einrichtung inzwischen sind.

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Auf dem Tagesbild ist die Sitzfläche einer der Ohrensessel zu sehen. Der Sessel in unserer Kabine sah noch deutlich schlimmer aus. Auf dem Bild oben sollte eigentlich die Klinke und das Schloss der Bibliothekstüre zu sehen sein. Die war abgefallen und wurde während unserer Reise nicht erneuert.

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Auch die übrigen Stühle waren teils in einem abenteuerlichen Zustand. Klar, ich weiß, gerade an einem Tag des Wartens fallen diese Dinge immer ganz besonders auf. Ich will das auch nicht überbewerten, aber ich finde es traurig. Traurig ist auch, wenn dann mal was repariert wird, wie die Couchen in der Piano-Bar, wie lieblos das vonstatten geht. Da wird für die Sitzfläche dann irgend ein ähnlichfarbiger, ansonsten aber komplett anderer Stoff verwendet.

Aber egal, ich bin ja inzwischen wieder zu Hause und habe auch diese Reise überlebt.

Bedanken möchte ich mich hier beim Erzengel Gabriel und ausdrücklich nochmal bei Andreas und Winnie, die uns oft als Reisebegleiter zugeteilt waren. Die beiden haben immer mal wieder “Fünfe grade sein lassen” und bei unseren Fotoeskapaden ein Auge, manchmal sogar zusätzlich ein Hühnerauge mit, zugedrückt. So bin ich zu Bildern gekommen, die den anderen, die nicht mal schnell um die Ecke und vom “rechten Weg” abgewichen sind, vorenthalten blieben. Die beiden haben mit ihrer Art, mit ihrer Freundlichkeit und mit ihrem Können dafür gesorgt, daß mir das gesamte Team rund um Andrej in guter Erinnerung bleiben wird.

Bis auf die Hardangerfjordrheumadeckenbusreise, die für mich wirklich grenzwertig war, haben sie dafür gesorgt, daß ich mich an alle Ausflüge gerne zurückerinnere.

Gar nicht gerne erinnere ich mich seit dieser Reise an den Veranstalter, Lord Nelson Seereisen, und an die Reederei zurück. Deren Leistungen waren mangelhaft bis ungenügend. Besonders gemein fand ich die Regelung mit den vorab zusätzlich zum Reisepreis abkassierten Trinkgeldern, die angeblich allen Mitarbeitern gleichermaßen zugute kommen sollten. Von verschiedenen Mitarbeitern auf dem Dampfer habe ich erfahren, daß vorher die Gehälter um eben diesen Trinkgeldbetrag gekürzt wurden. Die Leute verdienen miserabel und mir bleibt der (natürlich subjektive) Eindruck, daß sie ausgebeutet werden. Bei Uwe und mir gab’s deshalb für Restaurant- und Kabinenpersonal ein Extra-Trinkgeld, weil wir mit ihrer Arbeit wirklich zufrieden und teils auf’s angenehmste überrascht waren.

Isgesamt ist die Reiseroute wirklich empfehlenswert, nicht aber mit diesem Veranstalter und mit diesem Schiff. Ich habe für die nächste Kreuzfahrt mein favorisiertes Schiff in Honningsvåg schon mal von außen inspiziert.

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Die MS Dlephin und Hansa Kreuzfahrten wurden von einigen Mitpassagieren durch die Bank gelobt und empfohlen. Schaumermal, wann ich’s dann ausprobieren kann.

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Zurück nach Hause ging’s dann mit einem komfortablen Reisebus von Komm-mit-Reisen, einer ausgesprochen freundlichen Hostess und diversen, ausgeschlafenen Busfahrern mit ruhiger Fahrweise. Leider war der Weißwurstbestand von den “Zureisern”, die heute vormittag mit unserem Bus angekommen waren, komplett leer gefressen worden. Aber der Nußkranz war spitzenmäßig und verhungern mußten wir nicht.